Veröffentlicht am 13.02.2026 / 17:57
Urban Conversations: Dresden–Coventry
Urban Conversations: Dresden–Coventry (TU Lectures Plus)
Was bleibt, wenn Städte sich ihrer verwundeten Geschichte stellen – und einander dabei zuhören?
In unserer 40. Folge widmen wir uns dem Dialog zwischen Dresden und Coventry – zwei Städten, deren Namen untrennbar mit den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs verbunden sind. Die Bombardierung Coventrys im November 1940 und die Zerstörung Dresdens im Februar 1945 stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern in einem historischen Zusammenhang, der bis heute nachwirkt – politisch, kulturell, emotional.
Die Live-Aufzeichnung dieses besonderen Abends im Raskolnikoff brachte zahlreiche Gäste aus Coventry zusammen, die mit ihrer Haltung des „Father forgive“ eine Perspektive einbrachten, die weit über historisches Gedenken hinausgeht. In Coventry ist Vergebung kein abstrakter Begriff, sondern Teil der städtischen Identität – sichtbar geworden im Wiederaufbau der Kathedrale und in einer Erinnerungskultur, die Versöhnung aktiv anbietet.
Dresden hingegen hat einen eigenen Weg des Erinnerns entwickelt – geprägt von Brüchen, Instrumentalisierungen und einer bis heute sensiblen öffentlichen Debatte. Gerade in dieser Unterschiedlichkeit entstand ein intensives Gespräch: nicht im Vergleich von Leid, sondern im gemeinsamen Nachdenken über Verantwortung, Weitergabe von Geschichte und die Frage, was nachfolgenden Generationen bleibt.
Wir haben an diesem Abend viele Ebenen berührt - vom individuellen Schicksal bis zu gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, von persönlichen Geschichten mit hoffnungsvollen Wendungen bis zur Rolle von Städtepartnerschaften, von historischer Analyse bis zu sehr gegenwärtigen Fragen.
Die Städtepartnerschaft zwischen Dresden und Coventry wurde dabei nicht als offizielles Programm verhandelt, sondern als gelebte Beziehung – getragen von Menschen, die über Jahre hinweg Begegnungen ermöglichen, oft jenseits öffentlicher Aufmerksamkeit.
Mit uns im Gespräch waren:
Tine & Günter Starke – Fotograf:innen, deren Arbeiten den Abend visuell rahmten
Sabine Coady Schaebitz von der Coventry University, Herausgeberin von Heritage and Democracy – Introductory Thoughts
Rainer Barczaitis – Coventry Coordinator und Übersetzer
Johannes Schütz- Historiker, Technische Universität Dresden
Was diesen Podcast so interessant macht, ist seine Atmosphäre: eine Stunde, in der historische Schwere auf menschliche Offenheit traf. Eine Stunde, in der deutlich wurde, dass Versöhnung kein abgeschlossener Akt ist, sondern ein fortwährender Prozess – im Gespräch, im Zuhören, im Aushalten unterschiedlicher Perspektiven.
Wir danken der Galerie Raskolnikoff herzlich für ihre Gastfreundschaft im Rahmen der Ausstellung von Günter und Tine Starke. Der Raum wurde für diesen Abend zu einem Ort des Vertrauens. Diese Folge lädt dazu ein, das Gespräch mitzuerleben – nicht als historische Lektion, sondern als lebendigen Dialog über Erinnerung, Verantwortung und die Möglichkeit einer gemeinsamen Zukunft.
Live aufgenommen und produziert von Johannes Gerstengarbe ( Ballroom Studios )
Musikalische Begleitung
Jo Aldinger (https://jochenaldinger.de/)
Ein Projekt der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden in Kooperation mit dem COSMO Wissenschaftsforum, den Städtischen Bibliotheken Dresden und der Dresdner Philharmonie.
Dieses Vorhaben wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Freistaat Sachsen im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern.